Projekttitel
Johanna Schütz-Wolff
Objektbeschreibung

* 10. Juli 1896 in Halle (Saale);† 30. August 1965 in Söcking bei Starnberg
 
Deutsche Textilgestalterin, Bildwirkerin und Grafikerin
 
Johanna Schütz-Wolff ist vor allem als Gründerin der Textilwerkstatt der Burg Giebichenstein (Halle/Saale) bekannt. Ihre Tapisserien sind in der Geschichte der deutschen Bildwirkerei einzigartig. Johanna Wolff besucht von 1915 bis 1918 die Handwerker- und Kunstgewerbeschule in Halle, wo sie auch die Malklasse von Erwin Hahs belegt. In dieser Zeit wird die Einrichtung durch die Reformen ihres Leiters Paul Thiersch eine der führenden Kunstgewerbeschulen in Deutschland. Thiersch weckt in Johanna Wolff die Begeisterung für den Expressionismus. Im Herbst 1920 überträgt er ihr die Leitung der neu eingerichteten Textilklasse und Handweberei an der Kunstgewerbeschule, die sich ab 1921 in der Burg Giebichenstein befindet. Nach ihrer Heirat 1923 mit dem Theologen Paul Schütz, der Geburt ihrer Tochter und fünf Jahren Lehrtätigkeit zieht die Künstlerin mit ihrem Mann nach Schwabendorf bei Marburg um. Hier entstehen großformatige Bildteppiche und feingliedrige Holzstiche. Ende der 1920er Jahre finden ihre oft am Expressionismus orientierten Arbeiten im In- und Ausland große öffentliche Anerkennung. Während des Nationalsozialismus zieht sich Johanna Schütz-Wolff aus dem offiziellen Kunstgeschehen zurück. Aus Angst vor Verfolgung als „entartete“ Künstlerin zerstört sie in einer Nacht 13 ihrer großen Bildteppiche. 1938 wird einer ihrer Bildteppiche beschlagnahmt. Nach 1945 bleibt der Mensch das Hauptmotiv ihrer Werke, manchmal tritt das Tier hinzu. Ab 1950 widmet sie sich dem Farbholzschnitt, in den 1960er Jahren gehört die Monotypie zu ihren bevorzugten Techniken. Ihr letzter Wohnort wird 1954 Söcking bei Starnberg. Ab 1948 kann die Künstlerin im In- und Ausland auf eine Vielzahl von Ausstellungen verweisen. 1955 wird sie auf der Mailänder Triennale mit einer Goldmedaille geehrt und in den Deutschen Kunstrat aufgenommen. 1958 ist sie als einzige und erste Frau für Deutschland auf der Biennale in Venedig vertreten.Ihre Werke befinden sich u.a. in der Nationalgalerie Berlin, in der Pinakothek der Moderne in München, im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg und im Grassimuseum Leipzig.