Der Bauhäusler Fritz Kuhr

Pressemitteilung vom

Berliner Salongalerie „Die Möwe“ widmet dem Klee-Schüler eine Einzelausstellung
 
Anlässlich der Gründung des Staatlichen Bauhauses Weimar vor einhundert Jahren würdigt die Salongalerie „Die Möwe“ das künstlerische Werk von Fritz Kuhr, der von 1924 bis 1930 am Bauhaus studierte und lehrte. In ihrer Ausstellung „Unentrinnbar. Der Bauhäusler Fritz Kuhr“ gibt die Galerie vom 7. März bis 1. Juni 2019 Einblicke in die Bilderwelt des Malers. Zur Vernissage am 7. März 2019 wird Prof. Philipp Oswalt, Leiter der Stiftung Bauhaus Dessau von 2009 bis 2014, die Laudatio halten.
 
Die Präsentation verweist auf den prägenden Einfluss dieser Stätte der Avantgarde auf das Werk Kuhrs und verdeutlich seine bis heute unentrinnbare künstlerische Kraft. Der kreative Geist des Bauhauses wirkte nach dem Zweiten Weltkrieg im Schaffen des Malers weiter und zeigt sich in einer vielgestaltigen Formensprache, die von der Abstraktion bis zu surreal anmutenden Elementen reicht.
 
Fritz Kuhr (1899-1975) erhält am Bauhaus die entscheidenden Prägungen für sein künstlerisches Schaffen – insbesondere von seinem Lehrer Paul Klee. In einem Tagebucheintrag schrieb Kuhr: „Ich verdanke einem Bild von Paul Klee die wesentlichen Anregungen meines Lebens und wurde sein Schüler.“ Im Aquarell „Sonnenblume“ von 1926, das als Leihgabe von der Stiftung Bauhaus Dessau in der Ausstellung zu sehen ist, setzt er sich mit einer von Klee gestellten Aufgabe zum Wesen der Pflanze auseinander. Am architekturorientierten Bauhaus tritt Kuhr engagiert für die Malerei als eigenständige Disziplin ein. In seinen Bemühungen um die freie Malerei erfährt er ab 1928 Unterstützung von Hannes Meyer, dem Nachfolger von Walter Gropius. Nach dem Umzug des Bauhauses nach Dessau werden Atelier und Wohnung von Klee nach Entwürfen von Kuhr ausgestaltet. 1929 wird er Lehrer für gegenständliches Zeichnen sowie für Akt- und Figurenzeichnen und beteiligt sich an Kollektivausstellungen seiner Arbeitsstätte wie auch des Werkbundes.
 
Als die Nationalsozialisten 1930 führende politische Kraft in Dessau werden, siedelt Kuhr nach Berlin über, wo er fortan als freischaffender Maler tätig ist und für seine künstlerische Entwicklung die Angebote Berlins als Zentrum der Avantgarde nutzt. Er nimmt weiterhin erfolgreich an regionalen Einzel- und internationalen Kollektivausstellungen teil. Ernst Ludwig Kirchner, der Kuhrs Schaffen seine besondere Aufmerksamkeit schenkt, vermittelt ihm 1932 eine Ausstellung in Davos. Unter dem NS-Regime ist Kuhr staatlichen Anfeindungen und Repressalien ausgesetzt; Bilder von ihm werden als „entartete Kunst“ diffamiert. Der Künstler zieht sich in die innere Emigration zurück. Zum Bestreiten seines Lebensunterhalts arbeitet er von 1933 bis 1944 als Dekorationsmaler. 1943 und 1944 werden bei Bombenangriffen viele seiner Werke zerstört.
 
Nach dem Zweiten Weltkrieg beruft ihn Karl Hofer als Professor an die Hochschule für Bildende Künste in Berlin. In Kuhrs malerischem Werk drückt sich nach den Jahren der künstlerischen Zurückhaltung jetzt die uneingeschränkte Freude an der wiedergewonnenen Freiheit aus. Intuitiv geschaffene Formen und Zufallsstrukturen bestimmen – oft in Verbindung mit einer kräftigen Farbigkeit – seine Bilder. Bald jedoch gewinnt mit strengeren und zunehmend stärker abstrahierten Formen seine Prägung durch das Bauhaus wieder die Oberhand. Diese Entwicklung belegen in der Ausstellung Arbeiten wie „Unentrinnbar I“, „Zeitfenster“ und „Lumineszenz I“ aus den 1950er bis 1970er Jahren.
 
Bis 1971 beteiligt sich Fritz Kuhr an zahlreichen bedeutenden Ausstellungen in Deutschland, Europa und Übersee. 1968 ist er mit Bildern in der weltweiten Wanderausstellung „50 Jahre Bauhaus“ vertreten. Posthum folgen zahlreiche Einzel- und Kollektivausstellungen. Werke von Kuhr befinden sich in bedeutenden nationalen und internationalen Museen und privaten Sammlungen. Fotografien des Künstlers erwarben u.a. die Sammlungen des Saint Louis Art Museum und des J. Paul Getty Museum (USA).

Fritz Kuhr | Unentrinnbar I | 1954 | Öl auf Presspappe | 120 x 70 cm
Fritz Kuhr | Unentrinnbar I | 1954 | Öl auf Presspappe | 120 x 70 cm
Fritz Kuhr | Fische | 1955 | Mischtechnik auf Papier, auf Platte aufgezogen | 99 x 150 cm
Fritz Kuhr | Fische | 1955 | Mischtechnik auf Papier, auf Platte aufgezogen | 99 x 150 cm
Fritz Kuhr | Zeitfenster | 1952 | Öl auf Faserplatte | 85,5 x 60 cm
Fritz Kuhr | Zeitfenster | 1952 | Öl auf Faserplatte | 85,5 x 60 cm
Fritz Kuhr | Ochse | 1950 | Öl auf Leinwand | 70 x 97 cm
Fritz Kuhr | Ochse | 1950 | Öl auf Leinwand | 70 x 97 cm
Fritz Kuhr | Am See | 1940 | Aquarell auf Bütten | 39,5 x 29,5 cm
Fritz Kuhr | Am See | 1940 | Aquarell auf Bütten | 39,5 x 29,5 cm

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